Ganz oben rauf
Zu Fuß die Stadt zu entdecken, sich treiben zu lassen, nicht zu wissen, was einen als nächstes begeistern wird, ist wirklich schön, aber das Empire State Building immer nur von unten zu sehen, weckt mit der Zeit Begehrlichkeit…
Kurzum, heute ging es also hoch auf den kleinen Dreikäsehoch, und jeder dieser Käse misst ungefähr 487,3 Füße, wie es die Amis nennen.
Es ist unwirklich da oben, eben so viel höher, als die anderen Häuser drumherum. Alles ist so weit entfernt, dass es wie ein Kulisse wirkt. Joachim meinte, mann müsste jemanden aus einem dieser Häuser kennen, der einem zuwinkt. Ja, dann hätte das ganze plötzlich etwas Reelles.
Den Nachmittag verbrachten wir im Central Park, also wieder auf eine Weise der Stadt entrückt, auch wenn mann mittendrin auf einem warmen Felsen liegt, einen Keks im Mund.
Für mich endete der Tag mit Michela im 230 Fifth. Bis nach Mitternacht saßen wir zusammen und quatschten über das leben in New York und die Menschen hier und ihre Unterschiede zu den anderen Amerikanern.
Um 0:30 am standen wir auf dem Times Square.
Der Highline Park
Als wir heute das Appartment verließen, hing der Himmel noch voller Wolken. Doch schon dreißig Minuten später klarte es auf, und den Rest des Tages hatten wir das schönste Wetter mit blauem Himmel von allerbester Fotoqualität. Unser Ziel war der Highline Park, eine ehemalige Hochbahntrasse, die dank einiger Bürgerinitiativen zu einem “Park auf Stelzen” umgebaut wurde und eine der Touristenattraktionen ist, jedoch auch bei New Yorkern sehr beliebt. Bei einem gemütlichen Spaziergang konnten wir also Blicke auf die Stadt genießen, wie man sie sonst nur durch Fenster einer U-Bahn hat, allen voran die erhöhten Einblicke in Straßenschluchten und auf die berühmten alten Mietshäuser mit den Feuertreppen. Wir machten eine ausgedehnte Eis und Kaffeepause auf den sehr bequemen Holzliegen und fuhren dann zurück nach Brooklyn, wo das Abendessen in einem gemütlichen Diner auf uns wartete. Ermattet und glücklich sitzen wir nun auf dem Sofa und lauschen Billy Joel…
Umzug nach Williamsburg
Es war schon auch Wehmut dabei, als mein Koffer gepackt war und Michela, Luca und ich uns vor dem Haus zu einem Abschiedsfoto versammelten. Die beiden sind mir in unserer gemeinsamen Woche wirklich ans Herz gewachsen. Unsere gemeinsamen Abende vor dem Fernseher mit Thai-Essen und die Gespräche bis 2 Uhr morgends, wenn Luca mal ein englisches Wort nicht richtig aussprach und Michela ihn verbesserte und dabei mit den Augen rollte…
Aber nun sitze ich hier, und einige werden mich vielleicht gleich hassen, aber das Foto zeigt genau das, was ich gerade sehe. Und es kommt noch besser: Ich sitze draußen, und die Tür hinter mir führt direkt in mein Schlafzimmer. Ab und zu rumpelt eine Subway an mir vorbei über die Williamsburgbridge…. Also, es ist, genau das Gegenteil von Queens, überhaupt nicht ruhig, aber mal ehrlich, das ist der New Yorker Puls, wie er schlägt, und wer Ruhe sucht, soll in den Harz fahren. Ich fühle mich gerade, wie ein Fisch im Wasser.
Als ich gestern an der Station Marcy Avenue ausstieg und mit meinem Koffer den Broadway entlang schlenderte, überfiel mich das eigenartige Gefühl, in dem Moment erst anzukommen. Und eigentlich war das ja auch so. Ich stand am Anfang eines neuen Abschnitts dieser unglaublichen Zeit. Auf einmal wurde mir klar, wo das hinführen würde. Am Ende, nachdem ich in NY an drei verschiedenen Orten gelebt habe, würde mir die Zeit in dieser Stadt viel länger vorkommen, als sie eigentlich war. Natürlich ist es unbequem, zwischendurch packen und umziehen zu müssen… aber jedes Mal, nach einer Reise, denkt man doch, misst, das war viel zu schnell vorbei, viel zu kurz. Meine Chancen, dass es bei mir nicht so sein wird, stehen also gar nicht so schlecht. Vielleicht bleibt aber auch die Erkenntnis, dass jede Zeit in New York zu kurz ist, es sei denn, man zieht hierher… Ich denke, es wären nur Menschen, die ich vermissen würde, Familie und Freunde. Ich schicke Euch meine liebsten, von der Freude des Abenteuers erfüllten Gedanken und den Wunsch, ihr könntet jetzt alle hier sein, mit einem Bierchen neben mir, mit Blick auf den East River.
New York Public Libary
Hundert Jahre ist sie alt, und sie zu betreten und zu durchschreiten ist nicht weniger erhebend, als ein Besuch im Kölner Dom. Es ist zunächst eigenartig, dort Menschen sitzen zu sehen, die tatsächlich einfach nur in einem Buch lesen, dass sie sich aus einem der Regale geholt haben, so als wäre das irgendeine Bücherei. Aber dann setzte ich mich an einen der Tische, und nach wenigen Minuten fühlte ich mich magisch angezogen von dem Gedanken, zu studieren und an diesem Ort meine Recherchen zu betreiben. Als NYer wäre ich sicherlich oft hier.
Hinter diesem unglaublichen Gebäude liegt der Bryant Park, wunderschön ruhig, mit dösenden lesenden und sich unterhaltenden Menschen, so als hätte Manhattan hier einen kleinen Hinterhofgarten.
Den Abschluss fand mein Tag im “230 Fifth”, eine Dachbar mit wunderschönem Ausblick!
MSG und Flatiron
Der Sunday war lazy, es hat zwar nur einmal geregnet, aber das von Mitternacht bis Mitternacht, und hier scheint der Regen von allen Seiten zu kommen…
Luca und ich waren also Einkaufen und haben Torte gegessen. Naja, und um meine Fotos habe ich mich ein wenig gekümmert. Inzwischen sind es ca 800.
Jetzt ist es hier 9:39 AM und ich berichte von Gestern: Bei ca. 11 Grad begann meine Reise am Flatiron-Building, das tatsächlich so schmal wie imposant ist, dass man sich fragen kann, wie das “Ding” seit 110 Jahren jedem Sturm trotzt. Von da aus habe ich wieder fleißig Kilometer gemacht, immer mein Hauptziel im Auge, New York zu entdecken, und nicht einfach von Touristen-Spot zu Touristen-Spot zu hetzen. So kann man dann auch zufällig am Madison Square Garden vorbeikommen…
Midtown Manhattan
Als ich heute durch die Stadt wandelte, fiel mir zu dem Bild von der Filmkulisse noch etwas ein: New York ist eigentlich für fast alles die Blaupause. Man stelle sich einfach mal irgend etwas vor, zum Beispiel eine große Brücke, oder einen Wolkenkratzer… na? Oder wie sieht das klassische Taxi aus? Oder eine U-Bahn? Ja, selbst, wenn ich mir einen Hydranten vorstelle, ist es genau so einer, wie ich sie hier überall sehe. Ich laufe durch das Original, und dabei fühle ich mich so Pudelwohl, dass ich es immer noch nicht fassen kann. Diese Stadt ist tatsächlich so schön und eigentlich noch viel schöner, als ich es mir erträumt hatte. Klar ist es eine wirklich große Stadt. Aber, wer Angst vor der Größe hat, dem kann ich nur sagen: Hier ist alles so schnuckelig, schmale Straßen im Innern von Manhattan, kleine Läden, die “Treppchen” zur Subway, das sich durch die enge Bebauung immer wieder ändernde intime Licht. Cosy. Und gerade hier im Zentrum, auf und um den Times Square, sind erstaunlich wenig Autos unterwegs. Oft ist es überhaupt kein Problem, mal eben die Straßenseite zu wechseln, ja sogar, sich in die Mitte der Fahrbahn zu stellen, um ein Fotos zu machen.
Aber nun zum Schlüsselmoment des Tages: Ich war im Westen von MM und wollte zurück nach Queens. Mit der C-Train fuhr ich bis zur 50sten Straße, wo ich in die E-Train Richtung Lexington Avenue umsteigen wollte. An der Haltestelle (50 St) musste ich jedoch feststellen, dass der Bahnsteig für meine Weiterfahrt gesperrt war. Gut, dass dort ein Zettel hing, auf dem stand, dass ich, um nach Queens zu kommen, einfach bis zur 49 Str./ 7th Avenue laufen solle, und dort die N- oder Q-Train nehmen. Und dann nahm der Zauber seinen Lauf: Ich blickte mich kurz in der U-Bahnstation um, wählte den richtigen Ausgang, ging zur Straßenecke, um mich zu orientieren, lief in die richtige Richtung, um wenige Minuten später an besagter Kreuzung anzukommen. Dort ging es die Treppe hinunter, wo ich die N-Train bestieg und nach Queens fuhr. Noch Fragen?
Als ich in der Bahn saß und die Durchsagen hörte, die hier übrigens ganz ausgezeichnet sind, dachte ich mir mit von Stolz geschwellter Brust: Aber heute bin ich New Yorker mit deutschem Migrationshintergrund. YEP!
Freiheitsstatue und Ellis Island
Vor allem mein Gesicht wird diesen Tag nicht so schnell vergessen. Ich sehe aus wie ein Hummer, well done. Die Sonne war aber auch zu schön. Nach dem in Deutschland alles darauf hinwies, dass der Sommer mal wieder wegrationalisiert wird, musste ich es einfach genießen. Außerdem kann man derzeit die Lady Liberty nur von aussen sehen…
Danach ging es auf die Insel, die jeder Einwanderer als erstes zu sehen bekam. In dem Saal auf dem Foto wurden die ersten Untersuchungen durchgeführt. Man wollte niemanden nach NY lassen, der Krank ist, oder ein Verbrecher, da die Stadt zu der Zeit schon unsicher genug war, und die Situation aufgrund der vielen Menschen, die hier ihr Glück versuchen wollten, überzukochen drohte.
Unterwegs in Queens
Über New York City liegt ein verwaschenes Blau in strahlender Sonne. Ich sitze im Astoria Park in Queens unter der Eisenbahnbrücke, deren rumpelnder Verkehr zusammen mit dem Lachen der Kinder und dem Gesang eines verliebten New Yorkers den akustischen Hintergrund eines perfekten Nachmittags bilden. I don’t know, have you ever see the rain… Und sie liegt vor ihm und macht ab und zu ein Foto und nickt, wenn er etwas sagt.
First time in Manhattan
Jetzt, um 9:47 PM, sind meine Füße so richtig platt. Nach einem doppelten Espresso, zubereitet von einem amerikanischen Italiener und ein bisschen Fachsimpelei über Fiat ;o) ging es mit der Subway zum Central Park. Da die Sonne sich versteckte, ließ ich diesen jedoch rechts liegen und machte mich zu Fuß auf, zum Times Square.
In der ersten Stunde wurde ich das Gefühl nicht los, durch ein Filmset zu latschen. Irgendwie erwartete ich hinter jeder neuen Ecke zu sehen, wie irgendeine Kulisse, die ich eben noch für ein Gebäude gehalten hatte, zur Seite geschoben würde. Je öfter das nicht passierte, desto mehr ließ das Gefühl nach. Es blieb etwas zurück, dass ich vor 2 Jahren auch in Hong Kong empfunden hatte, dass die große zugebaute Stadt auch deshalb etwas Gemütliches hat, etwas Intimes…
Plus Eins – Queens
Über den Empfang kann ich mich wirklich nicht beschweren, zu dem Foto stelle man sich noch angenehm luftige 25 Grad vor…
Von New York natürlich noch nichts zu sehen. Bis dahin könnte es also eine Verschwörung sein, man fliegt Dich irgendwo hin, großer Flughafen in der Pampa, und erzählt Dir, es sei New York…
Und dann kam der spannende Teil… lassen sie mich rein? Erst einmal: The Guy was verry cool. Aber dann blickte er mehrmals in meinen Reisepass, um gleich darauf den Hals zu recken und sich umzusehen. OK, dachte ich, das war’s. Der Sicherheitsdienst kommt gleich… vielleicht lege ich mich schon mal auf den Boden, Hände auf den Rücken, damit sie mir nicht alzu hart in den Nacken treten…
Dann sah er wieder zum Bildschirm, schrieb eine Nummer auf den bereits gemachten Stempel in meinen Pass, und winkte mich, mit einem perfekt zu seiner ursprünglich coolen Erscheinung passenden Geräusch (ein seufzendes Grunzen, dass so viel sagte, wie: “Geh mir aus den Augen, bevor ich’s mir anders überlege…”) durch. Ja, der Satz ist blöd lang, aber ich schreib den jetzt nicht um… da wartet nämlich ne irre Stadt auf mich? Woher ich mir jetzt so sicher bin? Ist doch klar…

Mein kleines Äpfelchen lügt mich nicht an, erst recht nicht, wenn es um das große Äpfelchen geht…




